Die Seelen von London

 

Die blinde Maria King ist Schlammgründlerin – d. h., sie sucht am Flussufer der Themse nach verborgenen Schätzen. Bis sie eines Tages eine an sie gerichtete Botschaft findet: Ein abgeschnittener Finger, der einen Diamantring trägt – mit der Frage, ob sie „seine“ Frau werden möchte. DI Jonathan Dark übernimmt den Fall, zeigt dieser doch Übereinstimmungen mit einem Stalking-Fall, bei dem das Opfer ermordet wurde, eher er den Stalker überführen konnte.

 

Finnegan ist auf der Flucht. Man hat ihm eine Stunde gegeben, die Stadt zu verlassen – sonst wird er sein Leben verlieren. Auf dem Weg zu seinem Freund Frank, einem Bestatter, wird er niedergeschlagen. Als er endlich bei Frank ankommt, erfährt er eine unschöne Wahrheit.

 

Zwei Erzählstränge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, ebenso wie die handelnden Personen. Und zwischendurch immer wieder kurze Kapitel aus der Sicht des Stalkers. Im Laufe der Geschichte verknüpfen sich alle Handlungen miteinander. Und wir lernen: Auf unserer Welt leben nicht nur die Lebenden. Auch die Verstorbenen wandeln noch als Geister umher. Manche haben nicht bemerkt, dass sie gestorben sind, andere werden zu Wutgeistern, wieder andere sind nette und friedliche Hausgeister.

 

Frank, der Bestatter, kann sie sehen und mit ihnen kommunizieren. Oftmals hilft er ihnen auf dem Weg, mit ihrem Tod fertig zu werden. So versucht er auch, Finnegan zu unterstützen. In den Fall um Finnegans Mord wird auch DI Dark hineingezogen, da er kürzlich in Franks Nachbarhaus gezogen ist. Zu Beginn glaubt er nicht an Geister, aber nachdem Finnegan ihm einige gute Tipps bezüglich des Diamantrings geben kann, wird er langsam aufgeschlossener. Auch die Ermittlungen in Marias Stalking-Fall gehen voran. Denn Jonathan hat sich geschworen, dieses Mal zu gewinnen, nachdem er das letzte Opfer nicht retten konnte.

 

Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich richtig in die Geschichte eingetaucht bin. Durch die verschiedenen Erzählstränge haben mir ein wenig die Zusammenhänge gefehlt. Trotzdem gefiel mir das Buch von Beginn an, was hauptsächlich an den Hauptpersonen lag. DI Dark hat so seine privaten Probleme – im Gegensatz zu anderen Ermittlern mal weder Alkohol noch Drogen -, versucht aber, sich nicht von seinen Ermittlungen ablenken zu lassen. Ich fand ihn sehr sympathisch, auch wenn er zwischenzeitlich mal einen Schubs benötigen würde, um seine Probleme loszulassen. Auch Maria ist eine sympathische Protagonistin. Trotz des Stalkers versucht sie, sich nicht unterkriegen zu lassen und mischt kräftig bei der Suche nach dem Stalker mit. Besonders gut gefiel mir auch der Bestatter Frank. Er tröstet Lebende und Tote, dabei scheint er selbst gerade seine Frau zum zweiten Mal zu verlieren.

 

Spannend bis zum Schluss war die Suche nach dem Stalker. Es gibt so einige, die in Frage kommen, aber diesen Spuren sind dann doch wieder kalt. Ich gebe zu, mir ist der Täter nicht eingefallen. Von daher volle Punktzahl hierfür. Auch die Handlung insgesamt ist sehr lebendig (trotz der vielen Toten) und humorvoll, so dass man hier keinen reinen Thriller erwarten sollte. Die Idee, die Welt der Lebenden und der Toten zu kombinieren, hat mir sehr gut gefallen.

 

Ein bisschen las sich „Die Seelen von London“ wie der Beginn einer neuen Reihe. Würde mir persönlich gut gefallen, denn ich bin neugierig, wie es mit Jonathan, Maria und Frank weitergeht.

 

Juli 2017

Droemer Knaur, ISBN 978-3-426-52055-0

Taschenbuch, 400 Seiten

VÖ: Juni 2017